Ein stiller Held geht

Gerd Lorenz in seinem Garten, den er im Ruhestand sehr genießt

Gerd Lorenz nach 32 Jahren als Arbeitslosen- und Schuldnerberater verabschiedet

Im Rampenlicht stehen war nie seine Sache. Gerd Lorenz, seit 1988 beim Diakonischen Werk Dinslaken als Sozialarbeiter beschäftigt, hat sich immer als Helfer in Problemlagen verstanden. Er wollte da sein für Menschen, die durch Arbeitslosigkeit oder Verschuldung in Nöte geraten waren und darum Hilfestellung suchen.

Zu seiner vollen Stelle als Arbeitslosenberater kam schon nach kurzer Zeit sein Engagement für die berufsvorbereitenden Maßnahmen für Jugendliche dazu, bei denen er die sozialpädagogische Begleitung übernahm. Am Anfang stand die Begleitung von 12-15 Jugendlichen. Aber das Projekt wuchs schnell zu einer Größe heran, die eine andere Struktur brauchte.  Zusammen mit den beiden Pfarrern Matthias Jung und Jürgen Widera entstand Mitte der neunziger Jahre darum der „Verein für Berufshilfe“, der Vorläufer des späteren Diakonievereins. Lorenz zog sich aus dieser Arbeit intensiven zurück, da sein Engagement als Arbeitslosenberater seinen ganzen Einsatz forderte.

Ein klares Resümee

2006 kam dann als zweiter Arbeitsbereich für ihn die Schuldnerberatung dazu, die er als zweites Standbein bis zum Ende seiner Berufstätigkeit im April 2020 innehatte. „In all den Jahren“, resümiert Lorenz, „hat sich der Arbeitsmarkt nicht grundlegend verändert. Es gab immer wieder neue Arbeitsmarktprojekte mit neuen Namen. Aber eines blieb gleich: Mit all diesen Maßnahmen wurden schlecht bezahlte Arbeitsplätze subventioniert, um den Gewinn der Unternehmen zu maximieren.“  Was ihn aber zunehmend mit Sorge erfüllte: Es gebe immer weniger Unternehmen, die Verantwortung für ihre Mitarbeitenden übernähmen. Das sei noch in kleinen und mittelständischen Unternehmen zu finden, aber nicht in großen Unternehmen. Da grassieren Outsourcing und prekäre Arbeitsverhältnisse. Gegen Ende seiner Tätigkeit beriet er immer mehr Menschen, die bis zu fünf Jobs hatten, und mit dem Verdienst trotzdem nicht über die Runden kamen. „Obwohl sie gewillt waren aus eigener Kraft ihre Existenz zu sichern – allein schon um unabhängig zu bleiben - , mussten sie aufstocken und Anträge zu Unterstützung stellen“, so Lorenz.

„Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars …“

Eine weitere Entwicklung, die Gerd Lorenz viele Nerven gekostet hat, war der ausufernde Papierkrieg. Beim 60-jährigen Jubiläum des Diakonischen Werkes Dinslaken 2018 dokumentierte er diesen eindrücklich mit einem durch das gesamte Beratungszentrum „Café Komm“ ausgelegten Hartz IV-Antrag. Daneben das Zitat eines Klienten: „Ich wollte den Antrag eigentlich alleine ausfüllen. Dass es so viele Formulare sind, hätte ich nicht gedacht. Das schafft doch kein Mensch!“ Lorenz erinnert sich an ein Erlebnis am Ende seiner Dienstzeit, das nicht weiter kommentiert werden muss: Eine Klientin hatte den ihr zustehenden monatlichen Mehrbedarf für den Durchlauferhitzer in Höhe von 11 € nicht bekommen. Es brauchte dazu 11 Bescheide mit insgesamt 81 Seiten, um das zu regeln.

Ein großes Maß an Menschlichkeit

32 Jahre bei einem Arbeitgeber sind keine Selbstverständlichkeit. Gerd Lorenz hat insgesamt unter fünf verschiedenen Leitungen des Diakonischen Werkes, für das er tätig war, gearbeitet und vier Superintendenten als Leiter des Kirchenkreises erlebt. Er hat 12 Jahre im Café Komm auf der Hünxer Str. 187 gearbeitet, 18 Jahre auf der Duisburger Str. 103 und dann die letzten zweieinhalb Jahre am Bahnhofsplatz. Sein Beratungsangebot war in der Diakonie immer eine feste Größe und nicht wegzudenken. Seine langjährige Berufserfahrung und hohe Kompetenz werden sowohl die Kolleg*innen als auch die Klient*innen vermissen. Was ihn so lange im Kirchenkreis Dinslaken gehalten hat? Da muss Gerd Lorenz nicht lange überlegen: „Das große Maß an Menschlichkeit. Für mich war die gute Atmosphäre im Team und bei Besprechungen sehr entscheidend. Und vor allem: Ich hatte gute und sehr nette Kolleginnen und Kollegen.“

 

Text: Ruth Levin

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