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  • Rückblick: Diskussion: "Stillstand oder Flaute in der evangelisch-katholischen Ökumene?

"Stillstand oder Flaute in der evangelisch-katholischen Ökumene? Unter diesem Thema diskutierten der evangelische Altbischof Jürgen Johannesdotter und der katholische Domkapitular Stefan Sühling im Ev. Gemeindehaus Duisburger Straße. Die Veranstaltung am 8. Juni wurde moderiert von Pfarrer Jan Zechel und fand im Rahmen der Ökumenischen Woche statt. 

Die NRZ und die Rheinische Post berichteten:

"Flaute oder Stillstand in der Ökumene?" - Unter dieser Fragestellung stand die Diskussion im Rahmen der ökumenischen Woche in der Stadtmitte im Evangelischen Gemeindehaus. Aus Sicht der Kirchenleitung gaben Domkapitular und Kreisdechant Stefan Sühling aus Wesel sowie Landesbischof i.R. Jürgen Johannesdotter (Schaumburg-Lippe) den rund 30 Besuchern interessante Einblicke in das Thema. Die Moderation übernahm Pfarrer Jan Zechel von der Friedenskirche. "Mut brauchen wir, innere Bereitschaft, Fantasie und Gottvertrauen!" - so lautete am Ende das einmütige Fazit.

Sühling erinnerte, nach dem II. Vatikanischen Konzil und der Würzburger Synode Ende der 60er Jahre seien "vitale ökumenische Bewegungen" entstanden, die aber vor Ort teilweise zum Stillstand gekommen seien. Als "große Entwicklung" nannte er die konfessionsverbindende Ehe, "die ist seit 40 Jahren der Normalfall". Und trotz einer schrumpfenden Kirche in großen Pfarrstrukturen gebe es kleine ökumenische Gemeinschaften, etwa in Schule, Chor und Caritas, die den Glauben leben und weitergeben. "Auch in den nächsten Jahren müssen wir Formen des gemeinsamen Christseins entwickeln", so der Kreisdechant. "Der Glaubensweg hat immer mit Biografie zu tun", betonte Jürgen Johannesdotter, IG-Metaller, ehemaliger Landessuperintendent und von 2001 bis 2009 Landesbischof. Er stamme aus einem evangelischen Dorf in Ostfriesland, "der Nachbarort war katholisch". Das Miteinander der Konfessionen sei ein Zeugnis, das Appetit mache, er sprach hier von "geistlicher Ökumene". Die Frage sei nicht: "Wer hat die beste Wahrheit?", sondern: "Wie ziehen wir die Gnade Gottes in unser Leben?" Der Geist der Freundschaft vertrage auch Unterschiede. Johannesdotter: "500 Jahre Trennung sind genug." Es sei nichts so kirchentrennend, "dass wir nicht gemeinsam Eucharistie feiern könnten". Dieser Traum müsse mit Leben gefüllt werden.

"Das Wagnis gilt auch für die Kirchenleitung", gab Sühling zu. "Wir müssen in gutem Kontakt zur Basis sein und einander vertrauen. Jesus Christus lässt die Kirchen dabei nicht allein." Mit Blick auf rückgängige Kirchenbesucherzahlen müsse das gelingen. Johannesdotter ergänzte: "Die Kirchenleitung muss erkennen, dass vieles gelingt, wenn sie nicht im Wege steht" - vereinzelter Applaus. "Die Schätze, die wir haben, sind die kleinen Gemeinden", verwies Pfarrer Zechel auf die "gute Ökumene in der Stadtmitte".

Und er fragte: "Wäre das Ziel von Ökumene heute die Altargemeinschaft?" - Sühling: "Wichtiger ist, dass wir in Dinslaken, Wesel und Voerde auch noch in 40 Jahren sagen können: Ich bin Christ und möchte Gottesdienst mitgestalten." Johannesdotter: "Wir sollten das Lutherjahr zum verbindenden Element der Ökumene machen - in versöhnter Verschiedenheit. Die Barmherzigkeit, Liebe und das Vertrauen auf Christus eint uns." (Peter Neier)

Eine weitere Veranstaltung widmete sich am 11. Juni im Ev. Gemeindehaus dem Thema "Reformation und Kunst". Kunsthistorikerin Silke Klaas erklärte die Wechselwirkungen zwischen der Theologie der Reformatoren in Wittenberg und der Malerwerkstatt Lukas Cranachs. 

Die NRZ und die Rheinische Post berichteten:

"Die Reformation hat ein Gesicht: Martin Luther. Selbst wer nicht mit seinen theologischen Schriften oder seinen Thesen vertraut ist, hat sein Bild vor Augen. Und genau darin lag, so die Dinslakener Kunsthistorikerin Silke Klaas, ein Schlüssel zum Erfolg der Reformation. Luthers Ideen konnten sich durchsetzen, weil sie über das Bild und den frühen Buchdruck verbreitet werden konnten. Massenmedien als Motor für den Umbruch? Ist das nicht ein modernes Phänomen? Das Poster von Che Guevara in den 1960er Jahren, Popkultur, oder jüngst der Arabische Frühling, der sich über die sozialen Medien im Internet ausbreitete?

Alles schon da gewesen, nachdem 1450 Gutenberg den Buchdruck erfand und sich in derselben Epoche die Darstellung des Menschen im individuellen Porträt durchsetzte. Fehlt noch der geniale Geist, der diese Möglichkeiten zusammenführt, um seinen Ideen zum Erfolg zu verhelfen.

Lucas Cranach der Ältere - Maler, Werkstattleiter, Apotheker, Holz- und Weinhändler im königlichen Dienst - stand Luther zur Seite. Ein Mann mit Einfluss, Reputation und ein persönlicher Freund. Er prägt das Bild des Reformators bis heute.

Das Luther-Porträt, das derzeit überall zu sehen ist, zeigt einen Mann in schwarzer Kleidung, gesetzt, massiv. Einer, dem man das "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" abnimmt. Es dauerte, bis Cranach das Bild vollendet hatte.

Silke Klaas, Kunsthistorikerin am Stadtmuseum Langefeld, hat sich für ihren Vortrag im Evangelischen Gemeindehaus in Dinslaken zum Abschluss der Ökumenischen Woche tief in das Thema eingearbeitet und den Besuchern am Sonntag in einem dezidierten Vortrag dargestellt, wie Cranach das Bild benutzte, um Inhalte massenwirksam und symbolträchtig zu transportieren.

Allein seine Luther-Porträts: Der erste Kupferstich von 1520 zeigt einen hageren, streitbaren Rebell. Doch schnell mildern sich die Züge, Luther wird zum Redner im Disput. Noch ein wenig den Blick nach oben, und es fehlt nur noch die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Zwischendurch ein Imagewandel: Junker Jörg trägt kämpferisch Bart und Schwert. Danach ist Luthers Bild gefestigt. Cranach geht in seiner Werkstatt in Serienproduktion. Man bestellt seinen Luther im vorgegebenen Wunschformat. Und mit ihm den befreundeten, schmächtigen Melanchthon. Oder Luthers Ehefrau, die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Spannend ist ihre Entwicklung: Zeigt sie im ersten Porträt mit kämpferischem Blick ihren Ehering, wandelt sie sich im Folgenden zur Gott und den Menschen wohlgefälligen Frau und Mutter.

Als die Reformierten die Sakralkunst in den Kirchen zerstörten, sah Luther seine Bewegung gefährdet. Die Anbetung von Bildern lehnte er ab. Aber der Cranach-Freund wusste um ihre Bedeutung. Silke Klaas zeigt die Entwicklung von Bildtypen mit speziell protestantischen Inhalten, Lehrstücke in Öl auf Holz.

So friedlich wie auf den Altarbildern ging es auf den Flugblättern nicht zu. Der geschäftstüchtige Cranach bediente auch die Konkurrenz: Reformation und Papsttum diffamierten und dämonisierten sich gegenseitig in monsterhaften Gestalten, gerne zielte man dabei auch unter die Gürtellinie.

Imagebildung und einfache Botschaften, Luthers Kopf als "Sackpfeife des Satans". Es scheint, als seien Auswüchse mit Massenmedien einfach verbunden. Und das schon seit 500 Jahren" (Bettina Schack)

 

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