"Wir sehen Ökumene hier in Dinslaken als Herzenssache", sagte Armin von Eynern, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, am Sonntagvormittag beim ökumenischen Gottesdienst im Burgtheater und auch sein katholischer Kollege Gregor Kauling bekräftigte: "Wir sind heute versammelt unter dem einen Dach Gottes." Anlass für den gemeinsamen Gottesdienst und das anschließende Gemeindefest war das zehnjährige Bestehen der Charta Oecumenica, die 2007 von den evangelischen und katholischen Christen der Stadt beschlossen und unterschrieben worden ist und nun von beiden Gemeinden feierlich bestätigt wurde.

Im Mittelpunkt des stimmungsvollen Gottesdienstes, der vom Bläserkreis unter der Leitung von Daniela Grüning musikalisch begleitet wurde, stand die tiefe Verbundenheit der evangelischen und katholischen Gemeinden zueinander. Armin von Eynern setzte die Charta Oecumenica in Verbindung mit der Reformation, die in diesem Jahr ebenfalls ihr Jubiläum feiert, da sie deren Aufbrüche, Spaltungen und Trennungen aufnehme, um die Gräben zwischen den Konfessionen zu überwinden.

Vertreter beider Gemeinden erzählten von den Anfängen der Charta Oecumenica, die ursprünglich ein europäisches Projekt mit dem Ziel, das ökumenische Handeln in Europa zu festigen, gewesen sei. Beim ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin sei diese Selbstverpflichtung feierlich unterschrieben worden, und der Arbeitskreis Ökumene setzte sich in der Stadt dafür ein, diese im Gemeindeleben in Dinslaken umzusetzen. Zwar sei schon einiges überwunden, aber noch nicht alles, daher baten die Gläubigen beim Kyrie mit dem Lied "Meine engen Grenzen" um Weitsicht.

Einen bewegenden und berührenden Einblick in die wechselvolle Geschichte des Gegeneinanders und Miteinanders der beiden Konfessionen gaben drei junge Darsteller mit ihrer eindringlichen Pantomime. Zunächst sitzen zwei von ihnen abgewandt voneinander auf dem Boden, wenden sich dann einander zu, tanzen zusammen und entdecken das rote Band auf dem Boden, wickeln sich beide darin ein.

Doch nach ein paar gemeinsamen Takten im Einklang mit der Musik entfremden sich die beiden voneinander, ein Tauziehen beginnt, bis das Band am Boden liegt und sie sich den Rücken zuwenden. Es bedarf erst einer dritten Person, die ihre Abwehrhaltung auflöst und bewirkt, dass sie wieder einander die Hände reichen. Eine beeindruckende Darstellung, die zu Herzen geht und mehr sagt als Worte.

Wie wichtig das Band Gottes und der Liebe ist, wurde auch in der Predigt von Jan Zechel und Gregor Kauling deutlich, die den Faden der Pantomime aufnahmen. Kauling appellierte daran, die Verschiedenheit nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung zu sehen und Zechel ergänzte: "Glaube ist Bewegung, weil das Leben Bewegung bedeutet." Das Band, das Christus in uns gelegt habe, sei stärker als alles andere. "Wir sollen Bänder sein, an die sich andere Menschen anknüpfen können, denen wir begegnen", so Zechel.

Mit der feierlichen Bestätigung der Charta Oecumenica bekräftigten die Pfarrer beider Konfessionen und Gemeinden, sich weiter für die Ökumene einsetzen zu wollen. "Wir müssen begreifen, dass die Portale unserer Kirchen und Gemeindehäuser nur Zimmertüren in dem einen Haus sind", sagte Armin von Eynern.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren die Türen des evangelische Gemeindehauses an der Duisburger Straße weit geöffnet und zahlreiche Menschen nahmen die Einladung zum gemeinsamen Gemeindefest an. Bei Musik und vielen Angeboten - Highlight war um 16 Uhr das Kinderchormusical - hatten die Gläubigen Gelegenheit, einander zu begegnen, ins Gespräch zu kommen und das Band der Ökumene weiterzuknüpfen.

Quelle: RP und NRZ vom 5.9.2017

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