„Haben Sie auch jemand mit Hund?“

Die Anfrage kam gleich beim  ersten Anruf. Bei der Suche nach einer Begleitung für die Lebensgefährtin fragte ein Herr beim Diakonischen Werk Dinslaken nach, ob unter den ehrenamtlichen Seniorenbegleiterinnen und –begleitern nicht auch jemand mit Hund sei. Und sie hatte Glück. Im Sommer 2015 hatten zwei Frauen ihren Kurs als Senioren- und Demenzbegleiter beendet, die auch mit ihrem Vierbeiner zu den Besuchen gehen, wenn dies erwünscht ist. Lissy (8 Monate alt) und Bella (11 Monate alt) sind jung, sehr freundlich und verspielt und gehören nun zum Team. Sie erobern die Herzen der Seniorinnen und Senioren im Nu.
Martina Böhm (re.), die Besitzerin von Bella, weiß inzwischen gut, wie der Besuch zusammen mit Tieren auf die Menschen wirkt. „Die Tierliebe ermöglicht es selbst denen, die wenig Vertrauen haben, offener zu werden. Wenn Bella erst jemandem ihren Kopf auf den Schoß legt, öffnet sich das Herz.“ Die gelernte Krankenschwester musste aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben. Aber sie vermisste den Kontakt zu den Menschen. Eine Dinslakener Pfarrerin gab ihr dann den Tipp, sich zu dem halbjährigen Zertifikatskurs der Diakonie anzumelden. Darin werden die Absolventen in der Begleitung von Senioren und Menschen mit dementieller Erkrankung geschult. Sie absolvieren neben den Ausbildungseinheiten auch Praktika und bekommen am Ende vom Erwachsenenbildungswerk Rheinland ein Zertifikat als Senioren- und Demenzbegleiter ausgehändigt. Das Diakonische Werk Dinslaken vermittelt die ausgebildeten Begleiterinnen und Begleiter dann zu den Menschen, die Unterstützung suchen. Oft sind es die Angehörigen, die bei Anita Cyris vom Diakonischen Werk anfragen (Tel: 02064 414532). Sie vermittelt dann die Einsätze.

Aufgabe der Begleiterinnen und Begleiter ist es, mit den Senioren spazieren gehen, ihnen vorlesen, zuhören, Erinnerungen teilen. So werden die Angehörigen entlastet.

Nicole Tender (li.) hat über die Zeitung von dem Kurs erfahren. Da sie eine Möglichkeit suchte, sich ehrenamtlich zu engagieren, hat sie sich angemeldet. Auch wenn der Kontakt zu Menschen mit Demenz , wie sie sagt, immer wieder eine Herausforderung ist, weil man nie weiß, was bei ihnen ankommt, so gibt ihr die Arbeit doch sehr viel. „Mit einem Lächeln oder einem Dank bekomme ich viel zurück“, sagt die gelernte Zahnarzthelferin.

Manchmal wachsen die Beziehungen zwischen Besucherin und Besuchtem über die Monate oder Jahre. „Einer meiner Klienten war richtig glücklich, meinen Hund, der damals noch ein junger Welpe war, aufwachsen zu sehen“, erinnert sich Martina Böhm. Manchmal ist der Übergang zwischen Ehrenamt und privatem Kontakt durch die lange Zeit der Begleitung fließend. „Wenn der alte Mensch dann stirbt, ist der Abschied auch für uns schwer“, so die Begleiterinnen. Der Dienst bei den Seniorinnen und Senioren ist eben kein Bürojob.

Der nächste Ausbildungskurs zum Senioren- und Demenzbegleiter des Diakonischen Werkes beginnt am 2. September 2017. Wer sich für den Kurs interessiert, kann beim Informationsabend am 26. Juli zwischen 18 und 20 Uhr im Café Komm (Duisburger Str. 103 in Dinslaken) mehr erfahren. Rückfragen zum Infoabend beantwortet Anita Cyris (02064 414532).

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